»Der Dritte Hammerschlag«

Karl-Heinz Blomann & Claas Hanson

»Der Dritte Hammerschlag«

radio play for studio akustische kunst, wdr3
2006

Regie | Komposition: Karl-Heinz Blomann
Regieassistenz: Claas Hanson
Technische Realisation: Karl-Heinz Blomann & Claas Hanson
Klavieraufnahmen: WDR kleiner Sendesaal, 4./5. 03.2006
Klavier: Georg Gräwe, Michael Wilhelmi
Tonmeister: Ansgar Ballhorn
Toningenieur: Dirk Franken
Tontechnik: Angelika Schraml
Produktion: WDR Studio Akustische Kunst 2006
Redaktion: Markus Heuger

Genannt wurde sie die „Tragische“, die „Klassische“, die „Autobiographische“, die „Eigentliche“, die „Prophetische“ und die „Böse“. Gemeint war Mahlers 6. Sinfonie – die Sinfonie mit dem Hammerschlag.

Aber ist Mahlers 6. Sinfonie wirklich eine „monumentale Studie über die eigene Vergeblichkeit“, die im dritten und nachträglich getilgten Hammerschlag kulminiert? Karl-Heinz Blomanns Hörstück begibt sich, einhundert Jahre nach der Uraufführung der Sinfonie unter Leitung Mahlers, am 27. Mai 1906 in Essen, zwischen die Kommentare und Deutungen.

Sind die Hammerschläge des Finalsatzes, deren Klang selbst Mahler nicht genau umschreiben und realisieren konnte, wirklich der Klang des eigenen Todes?

Stecken hinter der Zahl der Hammerschläge kabbalistische Zahlencodes, oder sind sie banales Effektwerk?

Neben dieser eher theoretischen Annäherung, dokumentiert die Collage auch eine praktische Suche nach dem „wahren“ Klang des Hammerschlags. Im Selbstversuch experimentieren internationale Klangkünstler während des Festivals „open systems“ 2005 mit der Bauanleitung für das in Essen damals erfolglos erprobte „Hammerschlag-Instrument“.

Auf den vier Klangebenen der Sprach- und Klavier- improvisation, der Hammerspiele und O-Toncollagen entwickelt sich im Schatten des 3. Hammerschlags eine neue Dramaturgie der 6. Symphonie.

Das Tragische und das Komische, das Hörbare und das Getilgte: bei keinem Komponisten wie Mahler ozilliert das Wesen seiner Musik, ja seiner Person derart zwischen diesen Polen [Buch zum Thema]. So durchziehen die zeitgenössischen Reaktionen auf Mahler das ganze Hörspiel und widerlegen so ganz nebenbei die von ihm stets gefürchtete Vergeblichkeit seines Schaffens.

Fotos: © Karl-Heinz Blomann | Claas Hanson